Erfahrungsberichte

Was ist Karate-Do? Was ist Tai Chi?
Was ist nicht schon alles über die Kampfkunst geschrieben worden.

Nun ist es immer eine ganz individuelle, persönliche Erfahrung. Deshalb möchte ich hier meinen Schülern/innen die Möglichkeit geben zu berichten, was Karate / T’ai Chi Ch’uan für sie persönlich bedeutet.

„Was ist Karate!
Die spontanste Antwort, die mir einfällt, ist: Karate ist gut!
Es ist der Versuch eine Bewegung immer wieder exakt auszuführen; sich nur auf Bewegung, Atmung und Kraft zu konzentrieren. Das hört sich recht unspektakulär an, aber das, was „passiert“ ist dafür umso erstaunlicher.
Für mich ist es nur noch wahrnehmen, was im Körper passiert, nicht mehr denken müssen, nur noch fließen lassen.
Es ist, eine Bewegung dadurch erlernen, daß man spürt, ob diese richtig oder falsch ist. Es ist das Abtauchen auf eine Ebene, in der ein Bewegungsablauf nur noch instinktiv und reflexartig ausgeführt wird.
Das, was man dabei kennenlernt ist sich selbst und den eigenen innere Reichtum.“
Sabine , Karate-Do, T’ai Chi Ch’uan seit 7 Jahren

„Mit 53 Jahren waren die drei Ks (Kinder, Kirch, Küche) nicht ganz abgeschlossen. Eine Neuorientierung tat aber dringend Not.
T’ai Chi? - Warum nicht? - Die Ernüchterung folgte auf den Fuß.
Weder meine Atmung noch wie ich ging, von meiner Haltung ganz zu schweigen, stimmten. Wie hatte ich es bloß geschafft 53 Jahre alt zu werden.
Heute, mit 59 Jahren, mache ich immer noch T’ai Chi.
Spektakuläres ist nicht passiert. - Aber alles hat sich verändert. -
Verblüffend, was in mir steckt und mir zur Seite steht. Ich stehe mir zur Verfügung. Das fühlt sich prima an.“
Heidi, 59 Jahre , T’ai Chi seit 7 Jahren

„Ich mag die scheinbar erstmal unmögliche Kombination aus Entspannung und Konzentration und daraus zu agieren. Schwierig, das zu erreichen, aber ich finde es super, daß Karate dadurch nicht nur Anforderungen an den Körper, sondern auch an den Geist stellt. ® Karate als „State of mind“.
Mir gefällt die „Bauch- und Beckenzentriertheit“ der Bewegungsabläufe, denn aus unerklärlichen Gründen ist mein Bauch mein liebstes Körperteil - jawohl, ich mag meinen Bauch!
Auf jeden Fall ist Karate für mich auch Kampfsport. Ich will Techniken erlernen, die es mir ermöglichen, mich (und wenn nötig auch andere) künftig besser als bisher verteidigen zu können (meine ständige Angst vor Fascho-Angriffen). Mein häufiges Bus- und Bahnfahren führt leider ab und an zu unschönen Erfahrungen.
Verglichen zu Judo, was ich als Kind gemacht habe, empfinde ich Karate als eleganter und künstlerischer. Der Kampf mit einem(er) imaginären Gegner(in), ist für mich erstmal angenehmer, als mit irgendjemandem verknotet über Matten zu kugeln.
Sandra, 27 Jahre , Karate seit 1 Jahr

„Bei mir heißt Karate alles ... oder alles Mögliche. Das wichtigste ist das: Karate heißt Abschalten und mich mir selbst anzuvertrauen.
Karate bedeutet auf einmal ein Team zu werden, mit dem Zellhaufen, der mich so täglich als mein Körper überallhin begleitet, ob ich will oder nicht. Den, der in der Schule unsportlich oder schwach und ängstlich geredet wurde (noch heute wird mir schlecht, wenn ich einen Ball sehe).
Karate heißt, meinen Körper kennen zu lernen, ihn zu fühlen. Es heißt, sich auf ihn einzulassen. Karate heißt in den Spiegel schauen und zu sagen: Mit dem was ich sehe kann ich leben. Sich stark zu fühlen - SICH zu fühlen.
Es bedeutet, sich über kleine Fortschritte freuen zu können (OK, manchmal auch noch ungeduldig zu sein, wenn etwas nicht klappt). Es ist aber vor allem der Spaß, sich zu bewegen. Sich bewegen wie ein Tier, ganz natürlich, auf einmal erstaunt denken: Hey, das kann ich? Karate gehörte auf einmal zu mir wie Atmen oder Trinken. Und schwupps, waren wir gar nicht mehr so unsportlich, mein Körper und ich. Wir waren ein Team, wir sind eins, gehören zusammen. Karate läßt mich meinen besten Freund lieben lerne - meinen Freund, diesen Zellhaufen, den Körper, der ich eben auch bin.
Bianca (29) , Karate seit 2,5 Jahren

"Ich greife zu den Sternen - und erreiche mich selbst.“
Nicole, 27 Jahre , Karate seit einem halben Jahr

„Seit Oktober 1995 praktiziere ich beides (Karate-Do, T’ai Chi Ch’uan).
Immerhin reichte es, um ein drohendes Magengeschwür zu verhindern. Beides ergänzt sich für mich zu einem Ganzen. Entspannung durch Konzentration.
Es schult den Umgang mit der eigenen Aggressivität und eröffnete für mich auch neue (friedliche) Wege des Umgangs mit anderen Menschen.
Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „es ist sehr viel besser auch nur eine einzige Kerze anzuzünden, als die Finsternis mit tausend Worten zu verfluchen“ - Karate und T’ai Chi bilden für mich das Wachs dieser Kerze.
Das Training hat eine gute Beweglichkeit und Fitness zur Folge, mit positiven Auswirkungen auf die körperliche Haltung auch im Alltag. Der Umgang miteinander ist freundschaftlich, ohne gezwungene Kumpanei oder Vereinsmeierei.
Herbert, 39 Jahre

„T’ai Chi ist für mich der Weg
a) zur inneren Ruhe, Gelassenheit und Streßbewältigung
b) zur besseren körperlichen Fitness
durch konzentrierte, harmonische, fliessende Bewegungen bei bewußter Atmung.“
Margit, 47 Jahre

„Überhaupt angefangen habe ich, weil ich dringend einen Sport gesucht habe. An Karate habe ich dabei zuletzt gedacht (ganz ehrlich habe ich diesen Sport immer ein wenig belächelt ... ). Wie auch immer. Ich hab’s probiert und sofort hat sich meine Lebensqualität um 100% gesteigert. Das Training hat oft eine Euphorie ausgelöst - einfach vom Lebensgefühl. Aber klar: fast drei Jahre habe ich mich sportlich überhaupt nicht betätigt und jetzt mal wieder „arbeiten mit dem Körper“, richtig gutes Training.
Ziemlich schnell wurde dann aber auch das Wesentliche wichtig: Karate. Während des Trainings kann ich komplett abschalten und denke eigentlich an nix anderes mehr, als an das, was ich gerade tu’. Danach bin ich „wie im Kopf geduscht“. Völlig klar und wach.
Karate gibt Kraft und Energie, den Alltag zu leben. Vor allem im ersten Jahr war da nach dem Training oft so’n Gefühl: „egal, was da kommt, ich schaffe das so­wieso ...“.
Karate kann auch ein Weg sein, an sich selbst zu arbeiten. Alles, was ich im Ka­rate lernen muß, für immer dran arbeiten werde, vielleicht schon ein ganz klein wenig gelernt habe, kann ich, wenn ich möchte, eins zu eins ins Leben übersetzen.
Eigentlich zeigt der Körper, wo der Geist „hakt“. Schwächen und Stärken sind in der Bewegung manifestiert. Das Karatetraining ist eine Chance, das zu erkennen und vor allem, daran zu arbeiten.“
Heike, 36 Jahre , Karate seit 1½ Jahren